Toxische Beziehung – Gift für Seele und Körper: Anzeichen und Tipps

Zusammenfassung

Sie fangen mit überbordenden Liebesbekundungen an. Doch dann entfalten sie nach und nach ihr zerstörerisches Potenzial: toxische Beziehungen. In solchen Partnerschaften unterdrückt ein:e Partner:in den:die andere:n mit seinem:ihrem aggressiven Verhalten. Das hinterlässt auf Dauer große seelische Schäden beim Opfer und führt nicht selten zu Wesensveränderungen. Welches die Anzeichen für eine giftige Beziehung sind und wie Du Dich am besten aus ihr befreist, haben wir hier für Dich zusammengestellt.

Toxische Beziehung: Definition

Bei einer toxischen Beziehung ist es ein bisschen so, als würde man mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde unter einem Dach wohnen. In einem Moment ist der:die toxische Partner:in noch warmherzig, im nächsten putzt er:sie Dich herunter und gibt Dir die Schuld für alles Mögliche. Ein dominantes und herabwürdigendes Verhalten gegenüber dem:r Partner:in ist das entscheidende Merkmal einer toxischen Beziehung. Die Partnerschaft wird im wahrsten Sinne des Wortes vergiftet. So fühlt sich der:die unterlegene Partner:in auch. Er.sie ist in der Beziehung unglücklich und kann sogar mit körperlichen Symptomen auf den chronischen Giftcocktail reagieren. In den meisten Fällen (75%) ist es ein Mann, der das Beziehungsklima vergiftet. Doch in 25% der Fälle verhalten sich auch Frauen toxisch.

Toxische Beziehung: Anzeichen

Es gibt nicht die eine toxische Beziehung. Giftige Beziehungen können in der Praxis ganz unterschiedlich aussehen. Oft sind sie nicht leicht zu erkennen. Doch wenn Du oder Dir nahestehende Menschen genauer hinschaut, gibt es Anzeichen, an denen Du giftige Beziehungen erkennen kannst:

  • Dein:e Partner:in kritisiert Dich ständig, behandelt Dich geringschätzig und sucht die Schuld für eine gestörte Harmonie und für auftretende Probleme stets bei Dir.
  • Dein:e Partner:in ist in seinem Verhalten egoistisch, dominant und wenig empathisch. Er:sie ist nur auf die Erfüllung eigener Bedürfnisse aus.
  • Dein:e Partner:in manipuliert Dich. Er:sie lenkt Dich nach seinem:ihrem Gutdünken und zwingt Dir seinen:ihren Willen und seine:ihre Ansichten auf. Eure Beziehung ist dadurch gekennzeichnet, dass Dein:e Partner:in Dich klein hält. Es gibt keine echte Gleichberechtigung.
  • Dein:e Partner:in gibt Dir das Gefühl, dass Du seiner:ihrer nicht würdig bist. Du hast in der Nähe Deines:r Partner:in ständig das Gefühl, unzulänglich oder dumm zu sein. Du vertraust Deiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr.
  • Du unternimmst nur noch selten etwas mit anderen Dir nahestehenden Menschen, weil Du Dich ganz und gar ihm:ihr widmest. Er:sie vereinnahmt Dich komplett und Du opferst Dich für ihn:sie auf.
  • Eure Beziehung ist manischer Natur: Trennungsgedanken und große Liebesgefühle liegen oft nah beieinander. Führst Du eine On-Off-Beziehung? Dies sind oft giftige Beziehungen, in denen die Partner:innen nicht voneinander loskommen, sich aber auch nicht guttun.
  • Ihr streitet sehr oft miteinander.
  • Der:die Partner:in lügt bzw. bricht Dein Vertrauen.
  • Dein Wesen hat sich verändert: Früher warst Du zum Beispiel sehr fröhlich. Jetzt, in der Beziehung, wirkst Du nur noch traurig und angespannt.
  • Du fühlst Dich in Deiner Beziehung unglücklich. Eure Beziehung tut Dir nicht gut und das spürst Du instinktiv. Vielleicht macht sie Dich sogar krank und Du hast bereits psychische oder körperliche Symptome entwickelt.
  • Du kannst Deinem:r Partner:in Deine wahren Gefühle nicht zeigen. Du kannst in der Beziehung nicht so sein, wie Du bist.
  • Dein:e Partner:in kann nicht damit umgehen, wenn Du selbst Erfolge hast.
  • Dein:e Partner:in kann mit Kritik überhaupt nicht umgehen. Er:sie reagiert dann verärgert und gibt Dir das Gefühl, im Unrecht zu sein.

Dies sind typische Anzeichen für eine toxische Beziehung beim Sex

Das dominant-manipulative Verhalten erstreckt sich auf alle Lebensbereiche – so auch auf das Liebesleben. An folgenden Anzeichen kannst Du erkennen, dass Deine Beziehung toxisch ist:

  • Dein:e Partner:in versucht immer wieder, Dich zu bestimmten Sexualpraktiken, Toys etc. zu überreden, obwohl Du ihm:ihr zu verstehen gegeben hast, dass Du dazu nicht bereit bist.
  • Es geht beim Sex immer um das Befriedigen der Bedürfnisse des:r toxischen Partner:in. Auf Dich geht Dein:e Partner:in nicht ein.
  • Dein:e Partner:in versucht, Konflikte immer durch Sex zu beenden.
  • Dein:e Partner:in kritisiert Deinen Körper. Du fühlst Dich nackt vor ihm:r unwohl.
  • Ihr habt vielleicht nur viel Sex, weil der:die toxische Partner:in versucht, seine:ihre emotionalen Defizite über das Körperliche auszugleichen.

Wie kommt es zu einer toxischen Beziehung?

Giftige Beziehungen kommen oft dadurch zustande, dass der:die toxisch handelnde Partner:in in der Kindheit zu wenig Liebe und Aufmerksamkeit bekommen hat. Der toxisch agierende Mann oder die nicht empathische Frau hat häufig sogar ein Trauma in der Kindheit erlitten. Aus diesen negativen Erfahrungen als Kind erwächst meist ein emotionaler Mangel, der Betroffene in eine Persönlichkeitsstörung wie das Borderline-Syndrom oder den Narzissmus stürzt. Narzissten etwa fehlt es aufgrund des erlittenen Mangels an Liebe und Nähe in der Kindheit an Empathie in der eigenen Beziehung. Auch sind sie nicht fähig, eine gesunde Beziehung auf Augenhöhe zu führen.

In anderen Fällen hat der:die toxische Partner:in eine Angststörung oder eine Depression. Dann verhindert die Krankheit eine wertschätzende Behandlung des anderen.    

Ist das Phänomen der toxischen Beziehung neu?

Eindeutig nein! Toxische Beziehungen hat es schon immer gegeben. Nur hießen sie früher einfach unglückliche Beziehungen. Die charakteristischen Merkmale sind aber in beiden Fällen identisch. Das Verhalten des:r toxischen Partner:in ist herabwürdigend und verletzend. Dennoch schafft es der:die gedemütigte Partner:in oft nicht, sich aus der ungesunden Abhängigkeit zu befreien und den Schritt der Trennung zu vollziehen.

Was kann ein Mensch in einer toxischen Beziehung tun?

Leider bemerken viele es nicht oder erst sehr spät, dass ihre Beziehung toxischer Natur ist. Denn für sie ist das dominante Verhalten des:r Partner:in längst zur Normalität geworden. Ihnen entgeht oft, dass ihre Gesundheit, ihr Selbstwertgefühl und vielleicht das eigene Leben bereits zerstört sind und sie in einer ungesunden emotionalen Abhängigkeit leben. Enge Freund:innen oder Familienmitglieder können in dieser Situation helfen. Denn sie schauen von außen als Unbeteiligte aufs Geschehen und können daher gut einschätzen, ob sich ein Mensch in der Beziehung zum Schlechten verändert hat, ob er:sie sich zurückzieht oder ob er:sie in seiner:ihrer Beziehung unglücklich wirkt. Das gilt für Frauen wie Männer und hetero- wie homosexuelle Beziehungen gleichermaßen.

Hast Du die Anzeichen einer toxischen Beziehung erkannt, gibt es mehrere Lösungswege. Wenn Du möchtest, dass die Beziehung weitergeführt wird, solltest Du offen mit Deinem:r Partner:in sprechen und ihm:ihr deutlich machen, dass Du die Beziehung so nicht weiterführen willst. Ihr könnt Euch auch psychotherapeutische Hilfe suchen. Seid Ihr beide – vor allem der:die toxische Partner:in – glaubhaft bereit, die Beziehung glücklicher zu gestalten, hat sie womöglich eine Chance. Vielleicht erkennst Du in den Sitzungen aber auch zum ersten Mal, wie toxisch Deine Beziehung ist und bist gar nicht mehr an einer Fortsetzung der Beziehung interessiert.

Oft bleibt nur die Trennung als Ausweg

In der Regel ist es einem persönlichkeitsgestörten Menschen wie einem Narzissten nicht möglich, eine so große Kehrtwende in seinem Charakter zu vollziehen. Meist ist er:sie auch gar nicht bereit, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Denn er oder sie sieht das Problem ja nicht bei sich, sondern beim Partner:in. Der:die toxische Partner:in sieht sich selbst häufig als unfehlbar an.

In diesen Fällen ist eine Trennung unausweichlich, damit Dein Leben wieder lebenswert wird. Dann solltest Du bei Deinem Entschluss zur Trennung bleiben. Denn die Gefahr, wieder in die Abhängigkeit und somit in die vergiftete Beziehung zurückzufallen, ist hoch. Setze dem:r Ex-Partner:in klare Grenzen und schließe auch eine Freundschaft nach der Trennung komplett aus. Krankmachende Beziehungen beendest Du am besten radikal, ohne weiteren Kontakt zu der Person zu haben. Hole Dir die Kraft dafür von Deinen Freund:innen, Deinem:r Therapeut:in oder Deiner Familie. Wenn liebe Menschen in dieser Zeit zu Dir halten, wird es Dir leichter fallen, das alte Leben hinter Dir zu lassen.

Lebe nach dem Ende der Beziehung Deine Trauer über den Verlust und das erlittene Leid aus. Bringe in der Therapie Dein Selbstvertrauen wieder auf Vordermann und nimm Dir die Zeit, die Du für den Start in Dein neues Leben brauchst.

Wie kann ich einer toxischen Beziehung vorbeugen?

Das ist eine schwierige Frage. Wer möchte schon absichtlich in schlechte Beziehungen geraten? Meist beginnen giftige Beziehungen sogar sehr romantisch, mit tiefen Gefühlen und Liebesbekundungen. Doch schon bald ändert sich das Bild und der:die narzisstische Partner:in lässt seinem:ihrem übersteigerten Ego freien Lauf. Dieser Prozess beginnt aber schleichend, sodass er von vielen Menschen gar nicht bemerkt wird.

Hast Du eine neue Flamme kennengelernt, kannst Du z.B. Deine Freund:innen um Rat fragen. Frage sie, wie sie zu Deiner neuen Bekanntschaft stehen. Sie kennen Dich gut und können von außen erkennen, ob der:die Neue an Deiner Seite Dir guttut oder nicht. Auf die Art kannst Du künftige toxische Beziehungen vielleicht von vornherein abwenden.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich feststelle, dass ich in einer toxischen Beziehung gefangen bin?

Wende Dich zunächst an Deine Vertrauenspersonen, also Familie oder Freund:innen. Es gibt aber auch verschieden offizielle Anlaufstellen für Menschen, die sich aus einer toxischen Beziehung befreien wollen. Als betroffene Frau kannst Du Dich an folgende Stellen wenden:

  • das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 08000 – 116 016 (24 Stunden-Hotline)
  • den Online-Chat der Homepage des Hilfetelefons
  • die Telefonseelsorge: 0800 – 111 011 1
  • ein Frauenhaus in Deiner Nähe (unter Frauenhauskoordinierung e.V.