Tantra Sex: Das Zelebrieren der körperlichen Liebe

Zusammenfassung

Du sehnst Dich nach einer innigeren Beziehung zu Deinem:r Partner:in? Du willst Dein Sexualleben etwas aufmöbeln? Dann ist das Rezept dafür womöglich dieses: Tantra Sex. Die hohe Kunst der Liebe aus Fernost soll nicht nur das Bewusstsein erweitern und die Selbstachtsamkeit stärken, sondern die Partner:innen in der Beziehung einander näherbringen. Wir verraten Dir, wie Tantra Sex Deine Beziehung bereichert, welche Geheimnisse sich hinter der Liebeskunst verbergen und wie man dabei konkret vorgeht. Manege frei für das große Liebesexperiment mit langer Tradition!

Was ist Tantra?

Tantra ist eine philosophische und religiöse Strömung aus Indien. Das Sanskrit-Wort „Tantra“ bedeutet so viel wie „Gewebe“, „Eins“ oder auch „Kontinuum“. Bei dieser Lehre geht es spirituell gesehen um die Zusammenführung von Gegensätzen, um die Einswerdung mit dem großen Ganzen, der universellen Energie. Da auch die körperliche Vereinigung von Mann und Frau (oder der Vereinigung Deiner Wahl) die Einswerdung zum Ziel hat, werden Sexualität und Spiritualität im Tantra nicht getrennt behandelt. Vielmehr ist Sexualität fester Bestandteil der tantrischen Philosophie.

Die Tantra-Lehre hat ihre Wurzeln im 2. Jahrhundert. In der Theorie des Tantra bilden Körper, Geist und Seele eine Einheit. Um die Wahrnehmung dieser Einheit geht es im Tantra, um die Überwindung der Grenzen, der Aufhebung wahrgenommener Gegensätze. Denn nur wenn sich der Mensch verbunden mit allem fühlt, kann er wahrhaftes Glück empfinden, so der Glaube. Diese Harmonie lässt sich in dem erweiterten Bewusstseinszustand beim Tantra deutlich wahrnehmen. Sexualität und harmonische körperliche Berührungen dienen im Tantra dazu, dass der Mensch diesen mentalen Zustand vom Einssein erreicht. Denn dann ist der Weg offen für eine verstärkte Selbstwahrnehmung und ein besseres Verständnis für sich selbst.

Was ist Tantra Sex?

Tantra Sex beruht auf den Vorstellungen der tantrischen Philosophie. Es geht in den tantrischen Praktiken um die sexuelle Vereinigung von Mann und Frau, auf spiritueller Ebene um die Verschmelzung von männlicher und weiblicher Energie. Mann und Frau sollen auf allen Ebenen Eins werden. Tantra ist ähnlich wie die indische Liebeskunst Kamasutra, geht aber darüber hinaus. Denn im Tantra geht es anders als im Kamasutra eben nicht nur um rein sexuelle Praktiken, sondern auch um das Erleben der ganzheitlichen philosophisch-religiösen Anschauungen. Kamasutra ist körperlich. Tantra Sex ist körperlich und spirituell.

Was sind die Ziele von Tantra Sex?

Ziel ist neben der körperlichen Verschmelzung das Erleben der mentalen und seelischen Einswerdung von Mann und Frau. Auch soll sich die Energie des Individuums mit der kosmischen Energie des Ganzen verbinden, sodass es sich mit allem verbunden fühlt. Die Sexualität hat im Tantra auch den Zweck, einen erweiterten Bewusstseinszustand zu erreichen, mit dem man zu mehr Selbsterkenntnis und mehr Glück gelangen kann. Weniger wichtig hingegen ist beim Tantra Sex, ausgefallene Sexstellungen wie im Kamasutra auszuprobieren.

Die sexuelle Energie wird im Tantra als göttliche Energie betrachtet und verehrt. Mit ihrer Hilfe lasse sich die Lebenskraft an sich aktivieren und intensivieren. Der Fokus beim Tantra Sex liegt ganz klar auf maximaler emotionaler Nähe zum:r Partner:in und auf der Wahrnehmung der eigenen Empfindungen. Selbstbeobachtung ist hier das Motto.

Um diese Selbstwahrnehmung – also die eigenen Körperempfindungen bei den tantrischen Praktiken – zu stärken, gehören auch Achtsamkeitsübungen mit zum Tantra Sex dazu. In diesen Übungen kann man lernen, besser in sich hineinzuspüren und Gefühle und Empfindungen intensiver wahrzunehmen. Die Ziele von Tantra Sex lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Verbesserung der Selbstwahrnehmung
  2. Stärkung und Intensivierung der Paarbeziehung
  3. Verbesserung des eigenen Wohlbefindens
  4. Steigerung von Lebenszufriedenheit und Glücksempfinden durch das Gefühl, sich mit allem Eins zu fühlen
  5. Bereicherung des eigenen Sexuallebens
  6. Verbesserung sexueller Probleme (wie Orgasmus- oder Erektionsstörungen)
  7. Bewusstseinserweiterung
  8. Steigerung der Aufmerksamkeit für den:die Partner:in

 

Tantra Sex – Anleitung für eine besondere sexuelle Erfahrung

Für Ruhe und Entspannung sorgen

Damit Dein Tantra Sex zum schönen Erlebnis wird, solltest Du im Vorfeld einige Dinge beachten. Dazu zählt, sich ausreichend Zeit zu nehmen. Plane also einen freien Abend für das Ereignis ein und richte Dein Liebesnest atmosphärisch her. Stelle Kerzen auf – wenn Du magst auch Duftkerzen. Lege eine große, flauschige Decke auf den Boden und dekoriere sie mit vielen Kissen. So wird die sexuelle Vereinigung beim Tantra gemütlicher. Es ist wichtig, dass Ihr viel Platz für Eure Vereinigung habt.

Schöne Entspannungsmusik sorgt ebenso für ein stimmungsvolles Ambiente wie ein wohlduftendes Massageöl. Die sinnliche Erfahrung sollte nicht durch die Türklingel, Handytöne oder einen noch anstehenden Besuch gestört werden. Versuche, alle Störfaktoren auszuschalten. Tipp: Damit Ihr Euch gerne auszieht, sollte der Raum schön warm sein. Denn frieren ist alles andere als heiß. Auch ein Drink kann Euch in die entsprechende Stimmung versetzen.

Selbstreinigung vor Tantra Sex

Im zweiten Schritt wäschst Du Deinen Körper. Damit Du und Dein:e Partner:in bereit für innige Berührungen seid und wohl duftet, solltet Ihr Euch vor dem Tantra Sex reinigen. Dies kann etwa durch ein Bad oder eine Dusche geschehen. Denn frisch gewaschen macht das gegenseitige Liebkosen noch mal so viel Spaß. Nach der äußeren Reinigung folgt beim Tantra Sex dann die „innere Reinigung“. Dabei werden bestimmte Atemübungen durchgeführt, um sich für das Kommende bereit zu machen. 

Das Maithuna-Ritual: Sexuelle Lust wecken und sexuelle Erregung steigern

Das Maithuna-Ritual leitet den Tantra Sex ein. Dabei essen Mann und Frau (oder Deine Partnerkonstellation) zunächst ein kleines Mahl. Neben Wein kommen traditionell Fisch, Fleisch und geröstetes Getreide auf den Tisch. Schon währenddessen – also noch bevor Ihr Zärtlichkeiten austauscht – geht es um den Aufbau von sexueller Energie und Lust. Daher sollen sich beide Partner:innen auch in dieser Zeit schon durchweg berühren. Die Berührung steht beim Maithuna-Ritual im Vordergrund. Denn damit lässt sich die sexuelle Erregung langsam steigern.

Nach dem Essen setzt Ihr Euch einander gegenüber. Dabei nimmt Dein:e Partner:in auf der Decke Platz. Du selbst setzt Dich auf seine:ihre ausgestreckten oder zum Schneidersitz gebeugten Beine. Blickt Euch nun tief in die Augen und versucht, Euch an dieses intensive Gefühl zu gewöhnen. In der fernöstlichen Philosophie gelten die Augen als Tor zur Seele. Haltet das zunächst unangenehme Gefühl aus, das sich womöglich Bahn bricht. Nach einiger Zeit wird es sich schön anfühlen, dass Ihr Euch so innig anschaut und Ihr werdet eine intensive Verbindung spüren. Man kann also durchaus lernen, dem intensiven Blick in die Seele standzuhalten.

Nun konzentriert Euch darauf, Euren Atem in den gleichen Rhythmus zu bringen. Atmet beide gleichzeitig ein und aus. Tut dies langsam und ruhig. Ihr könnt den:die Partner:in auch mit Komplimenten verwöhnen. Auch das schafft größere Nähe zueinander. Jetzt geht es darum, Euch gegenseitig mit Liebe zu beschenken. Streichle den Körper Deines:r Partner:in sanft und wecke dadurch seine:ihre sexuelle Energie. Suche dabei immer wieder Blickkontakt mit Deinem:r Liebsten. Umarmungen stärken ebenfalls das Band zwischen Euch und machen Lust auf mehr. Wenn Ihr mögt, bringt die Lippen zueinander, sodass sie sich berühren. Atmet dabei im gleichen Rhythmus ein und aus. Dies sind tantrische Küsse. Sie dürfen beim Ritual vor der Vereinigung zum Einsatz kommen.

Die Tantra-Massage

Um die Nähe und das Einheitsgefühl zu verstärken, können Mann und Frau (die Partner:innen) eine tantrische Massage durchführen. Die Tantra-Massage ist eine intensive Ganzkörpermassage, bei der auch der Intimbereich mit einbezogen wird. Die intensiven Berührungen und Massagen am ganzen Körper sind der westlichen Welt völlig fremd. Hier geht es darum, dem eigenen Mann oder der eigenen Frau viel Liebe in Form von wohltuenden Berührungen zu schenken. Die zärtliche Berührung ist ein starker Ausdruck von Liebe und Verbundenheit zwischen zwei Menschen. Bei der sinnlichen Massage verwöhnen sich die Liebenden gegenseitig – ohne etwas vom anderen zu erwarten.

Zudem sorgt der:die eine Partner:in für die Entspannung des:r anderen und bringt dabei dessen sexuelle Energie zum Fließen. Die tantrische Massage ist zwar kein Muss beim Tantra Sex, sie wird aber gerne mit eingebaut. Ein Mensch kann schon allein durch die Berührungen und die Massage am ganzen Körper zum sexuellen Höhepunkt gelangen. Sexuell erregt zu sein ist zwar ein Ziel der Tantra-Massage, der Orgasmus ist es aber nicht. Doch durch die Stimulation der erogenen Zonen wie Vagina, Klitoris, Penis und Hoden kommt es in der Praxis relativ häufig zum Orgasmus.

Bei der Intimmassage unterscheidet man zwei Formen:

  1. die Lingam-Massage (Penis-Massage)
  2. die Yoni-Massage (Massage der weiblichen Genitalien)

 

So führst Du eine Tantra-Massage durch

Zunächst werden bei der Tantra-Massage die Bereiche berührt und massiert, die nicht zu den erogenen Zonen gezählt werden. Beispielsweise kann Dein Mann zunächst auf dem Bauch liegen und Du massierst dessen Rücken, Arme und Beine. Wende Dich dann nach und nach den erogenen Zonen zu. Verwöhne sein bestes Stück, seinen Po und seine Hoden. Wenn Du magst, kannst Du auch einen Finger in den After einführen, um eine Prostatamassage durchzuführen. Du kannst die Prostata stimulieren, indem Du einen Finger sanft in den Anus einführst (Achtung, Gleitgel verwenden!) und den Enddarm-Bereich zur Bauchseite hin massierst. Dein:e Partner:in kann zur Massage aber auch auf dem Rücken liegen. In dem Fall wird die Vorderseite des Körpers massiert.

Der:die Partner:in wiederum kann die äußeren und inneren Schamlippen sowie die Klitoris oder den G-Punkt streicheln und sanft massieren. Jedoch sollen die Berührungen im Intimbereich nicht darauf ausgerichtet sein, den Orgasmus auszulösen. Ist die sexuelle Erregung schon sehr groß, wendet Euch wieder weniger sensiblen Bereichen wie den Händen oder dem Rücken zu. Zwischendurch kannst Du Deine:n Partner:in auch mit Deinem ganzen Körper massieren. Bei der sogenannten Nuru-Massage benutzt Du Deinen eigenen Körper als Massagewerkzeug und fährst mit ihm sanft über den Deines:r Partner:in.

Die sexuelle Vereinigung

Der tantrische Sex ist eine langsame und intensive Variante von Sexualität. Es muss dabei nicht zwingend zum Geschlechtsverkehr kommen. Aber natürlich dürft Ihr auch das große Finale samt Orgasmus genießen. Lasst Euch bei der körperlichen Liebe im letzten Akt aber weiterhin viel Zeit und spürt in Euch hinein. Genießt die sexuelle Energie und Eure Empfindungen bei der Vereinigung. Macht zwischendurch immer mal wieder eine Pause. Denn damit könnt Ihr Eure Lust aufeinander noch steigern.

Wenn Ihr mögt, könnt Ihr aber auch einfach nur nebeneinander liegen und dem Erlebten nachspüren. Genieße den Moment, Eure Intimität und die gemeinsam erlebte Sexualität, indem Ihr Euch bei Euren Berührungen tief in die Augen schaut. Vergiss eines nicht: Beim Tantra ist der Weg das Ziel – die Meditation und das Zelebrieren des Moments – nicht der eigentliche Höhepunkt.

Die besten Sexstellungen im Tantra

Wähle für Eure finale Vereinigung eine Sexstellung, bei der Ihr die tiefe Verbundenheit aufrechterhalten könnt. Die besten Sexstellungen sind also diejenigen, die Euch weiterhin einen intensiven Blickkontakt ermöglichen. Dazu müsst Ihr nicht unbedingt die umständlichen Stellungen des Kamasutras umsetzen. Wählt vor allem eine Position aus, die bequem ist und in der Ihr Euch auch etwas länger aufhalten könnt.

Stellung Nummer 1: Die vertauschte Missionarsstellung

Legt sich die Frau beim Geschlechtsverkehr auf den liegenden Mann, kann sie über den Fortschritt seiner Erregung während der Vereinigung bestimmen. Sie hat so die Kontrolle über den Grad seiner Lust und kann damit spielen.

Sexstellung Nummer 2: Die Scherenstellung

Bei dieser Position liegen beide Partner:innen auf der Seite und schauen sich an. Der:die eine Partner:in legt den Oberschenkel zwischen die des:r anderen. So bleibt der intensive Blickkontakt auch in dieser Stellung gewahrt.

Stellung Nummer 3: Die Löffelchen-Stellung

Bei der Löffelchen-Stellung liegen Mann und Frau auf der Seite. Der Mann liegt hier aber hinter seiner Partnerin. Wenn die Frau sich bei der Vereinigung zum Partner umsieht, wird auch in dieser Position die intensive Verbundenheit nicht gefährdet.

Sexstellung Nummer 4: Der Lotussitz

Dein Mann hat Erfahrung mit Meditation? Na prima. Dann könnt Ihr für die Vereinigung den Lotussitz wählen. Dieser Sitz erfordert eine gewisse Gelenkigkeit. Denn der Mann sitzt in dieser Stellung in einer Art Schneidersitz und seine Partnerin nimmt auf seinen Oberschenkeln Platz. Diese Stellung ist für ausdauernde Sexorgien gut geeignet, da der Penis dabei nicht so intensiv stimuliert wird. Sie ist also wie gemacht für ein langsames, aber höchst lustvolles Tantra Sex-Erlebnis.