Slow Sex – Langsam und achtsam Lieben

Zusammenfassung

Slow Sex? Oh je! Das klingt eher nach Einschlafhilfe als nach prickelnder Erotik. Doch weit gefehlt! Diese Sexpraktik ist alles andere als einschläfernd. Sie kann sogar überaus sinnlich sein und dazu führen, dass sich zwei Partner:innen einander näher fühlen als jemals zuvor. Außerdem rebelliert diese Form der Sexualität gegen den Performance-Druck in unserer Leistungsgesellschaft. Wir verraten Dir, worauf es bei der achtsamen Liebe ankommt und welche Geheimnisse der Liebeskult birgt.

Was ist Slow Sex?

„Slow Sex“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „langsamer Sex“. Das klingt zunächst ziemlich langweilig, denn wir sind es gewöhnt, schnell und effektiv zu arbeiten – so auch beim Sex. Doch Slow Sex bedeutet im Grunde nur, dass beide Partner:innen sich beim Liebesspiel bewusst ganz viel Zeit füreinander nehmen. Dass sie sich in einer lang andauernden Erotik-Session gegenseitig mit Küssen, Streicheleinheiten und Liebe verwöhnen.

Ein weiteres Geheimnis der entschleunigten Liebe ist es, dass die eigene Sexualität neu entdeckt wird. Denn beim Slow Sex erforschen beide Partner:innen neue Lustpunkte am Körper des:r anderen oder am eigenen. Es geht dabei also eher um den Weg (Vorspiel) als um das Ziel (Orgasmus). Penetration und Orgasmus können beim gemächlichen Techtelmechtel eine Rolle spielen – müssen es aber nicht. Das soll den Erwartungsdruck aus dem Sexleben nehmen und so Raum fürs Spüren und Genießen lassen. Denn häufig ist Sex heute an Erwartungen wie „Ich muss zum Orgasmus kommen“ geknüpft – und zwar bei Frauen und Männern.

Wer hat Slow Sex entwickelt?

Die Sexualpraktik geht auf die südafrikanische Tantra-Lehrerin Diana Richardson zurück. Sie veröffentlichte 2011 ein ganzes Buch zum Thema Slow Sex. Es wurde zum Bestseller und machte Slow Sex zum neuen Sextrend.  

Wie lange dauert Slow Sex?

Das kann jedes Paar selbst entscheiden. Aber eine Runde Slow Sex dauert in der Regel mindestens eine Stunde. Fortgeschrittene Slow Sex-Fans können das Liebesspiel sogar auf drei oder noch mehr Stunden ausdehnen. Als Anfänger:in solltest Du Dir damit aber keinen Stress machen. Schaut einfach, dass Ihr Euer Liebesspiel gemütlicher als üblich angeht und Euch bei den einzelnen Handlungen bewusst mehr Zeit lasst.  

Die Vorteile von Slow Sex

In unserem hektischen Alltag sind wir es nicht mehr gewohnt, Dinge langsam anzugehen. Doch genau darauf zielt Slow Sex ab. In der Entschleunigung kann es zu folgenden wunderbaren Erfahrungen kommen:

  • Du bist befreit vom Druck, beim Sex zum Orgasmus zu kommen.
  • Du bist befreit vom Druck, zunehmend stärker erregt zu sein.
  • Du bist befreit von irgendeinem Performance-Druck.
  • Du lebst und genießt den Moment.
  • Ihr entdeckt neue prickelnde Lustpunkte an Euren Körpern bzw. lernt die bekannten besser kennen.
  • Ihr schenkt Euch gegenseitig viel Zeit, Liebe und Zuwendung – sowohl körperlich als auch emotional.
  • Dadurch seid Ihr Euch emotional näher und Eure Beziehung wird tiefer.
  • Wenn Ihr schon lange ein Paar seid, könnt Ihr Eure Liebe durch Slow Sex neu entfachen.
  • Wenn Ihr schon lange ein Paar seid, sorgt Slow Sex für frischen Wind im Schlafzimmer.
  • Ihr entdeckt Eure Sexualität ganz neu (Stichwort Achtsamkeit).
  • Ihr macht neue Sinneserfahrungen und lernt neue Nuancen von Erregung kennen.
  • Ihr werdet eingeladen, Eure sanfte Seite auszuleben. 
  • Du kannst durch das Hinauszögern des Höhepunkts einen intensiveren Orgasmus erleben.

Slow Sex: eine Anleitung

Gerade zu Beginn fällt es vielen Paaren gar nicht so leicht, ihren Sex langsam und vor allem achtsam zu gestalten. Schließlich geht im Alltag ja auch alles ruckzuck. Beim Slow Sex heißt es jedoch: Habe Mut zur Langsamkeit und Sinnlichkeit! Der durchschnittliche 5-10-Minuten-Sex hat in Eurem Bett jetzt kein Platz mehr.

Tipp 1: Entspanne Dich und Deine Umgebung

Schalte vor Eurem innigen Liebesritual sämtliche Störquellen aus. Smartphone oder Türklingel sollten Eure intensive Zweisamkeit nicht unterbrechen. Wenn Du magst, stelle ein paar Kerzen auf und stimme Dich mit Deinem:r Partner:in auf Ruhe und Entspannung ein. Wie wäre es, zunächst gemeinsam zu meditieren oder Euch mit Yoga herunterzufahren? Auch Entspannungsmusik kann Dir dabei helfen abzuschalten.

Tipp 2: Schritt für Schritt zur Langsamkeit

Ihr müsst nicht von vornherein 4-Stunden-Sessions anvisieren. Aber plant für Euer Zeremoniell ausreichend Zeit ein. In der kommenden Stunde sollten auf Euch keine anderen Termine warten. Dauert Euer Liebesspiel so im Schnitt etwa 15 Minuten, verlängert es langsam: Legt zunächst fünf Minuten, beim nächsten Mal zehn Minuten drauf – bis Ihr dann bei einer Stunde oder mehr angelangt seid. Schaut, was sich verändert und wie es Euch gefällt.

Tipp 3: Keine überhöhten Erwartungen an den ersten Slow Sex

Stellt an die ersten Male keine allzu hohen Erwartungen. Denn Slow Sex erfordert oft erst etwas Übung, bevor Ihr ihn so richtig genießen könnt. Findet durch trial and error heraus, was sich für Euch gut anfühlt und was Ihr beim nächsten Mal lieber sein lasst. Manche Erfahrungen fallen vielleicht nicht ganz so aus wie erwünscht. Aber auch das gehört mit zum Sexperiment dazu. Dafür werdet Ihr aber auch viele tolle Eindrücke für Euch verbuchen können.

Tipp 4: Schenke viel Liebe und Aufmerksamkeit

Legt Euch zunächst einfach gemeinsam nackt ins Bett oder den gemütlichen und ungestörten Ort Eurer Wahl. Nun beginnst Du damit, Deine:n Partner:in zu streicheln. Spare dabei die klassischen Geschlechtsorgane aus und widme Dich anderen empfindsamen Stellen – schließlich soll es nicht gleich von 0 auf 100 gehen. Die Erregung soll vielmehr ganz langsam wachsen. Auch eine gute Idee: eine Massage. Ertaste mit Deinen Händen den ganzen Körper Deines:r Partner:in und verwöhne ihn:sie mit wohltuenden Liebkosungen. Stell Dir vor, Du würdest Deinen Schatz das allererste Mal berühren, den Körper Stück für Stück kennenlernen und herausfinden wollen, was ihn:sie sexuell anspricht. Von Kopf bis Fuß kannst Du Deine Streicheleinheiten sanft niederprasseln lassen. Nach und nach kannst Du auch mit Lippen und Zunge weiter auf Erkundungstour gehen.

Dann sind endlich auch die Hotspots an der Reihe. Liebkose Penis, Hoden und Damm oder Brüste, Innenschenkel und Vulva – aber ganz langsam. Streichle, jedoch ohne zu stimulieren. Auch das Eindringen ist in dieser Phase noch tabu. Nach einem Rollentausch darfst Du dann die flüchtigen Berührungen Deines:r Partner:in genießen. Schließlich sollen beim Slow Sex beide Partner:innen in erotische Schwingung versetzt werden.

Tipp 5: Sprich über erotische Erfahrungen

Es heißt immer: Wer sich liebt, versteht sich auch ohne Worte. Aber beim Slow Sex können ein paar Worte nicht schaden. Ihr könnt nur profitieren, wenn Ihr Euch ehrlich über die Handlungen austauscht. Frage also Deine:n Liebste:n immer mal wieder, was sich gut anfühlt und was nicht. Erzählt Euch auch, was Ihr aneinander liebt. Das ist Balsam für die Seele. 

Tipp 6: Lass den Atem fließen

Wenn wir angespannt sind, halten wir oft – ohne es zu merken – die Luft an. Beim Slow Sex ist das ein absolutes No-Go. Denn dann entspannst Du Dich nicht mehr. Atme stattdessen gleichmäßig ein und aus. So bleibst Du relaxed und kannst die Berührungen Deines:r Partner:in intensiver spüren.

Tipp 7: Die Penetration erfolgt langsam – wenn überhaupt

Wartet mit dem Akt deutlich länger als üblich. Auch wenn Ihr denkt, Ihr seid jetzt so erregt, dass es nur noch eines geben kann: Übt Euch in Willensstärke! Wenn Ihr es dann irgendwann gar nicht mehr aushaltet, gebt dem Instinkt nach und vereinigt Euch. Die Penetration sollte aber ebenfalls langsam und gefühlvoll sein. Dein:e Partner:in sollte möglichst weniger Stoßbewegungen machen als sonst. Haltet dabei Augenkontakt.

Gern dürft Ihr die Penetration unterbrechen, um weitere Lust anzuhäufen und den vielleicht noch eintretenden Orgasmus zu intensivieren. Übrigens kann beim Slow Sex auch ein nicht steifer Penis in die Vagina eingeführt werden, der dann für eine Weile dort verbleibt und Lust bereitet. Die Sexexpertin Yella Cremer spricht hier von „weicher Penetration“. Es ist aber auch in Ordnung, Sex ohne jegliche Penetration zu haben. Die Entscheidung liegt bei Euch.  

Tipp 8: Nachspüren

Ist das Liebesspiel zu Ende, springt man beim Slow Sex nicht so mir nichts Dir nichts aus dem Bett und nimmt den Alltag wieder auf. Vielmehr spürt man dem Erlebten noch ein paar Augenblicke nach und löst sich dankend vom Partner:in

Welche Sexstellungen sind für Slow Sex geeignet?

Im Prinzip könnt Ihr Slow Sex in jeder Stellung praktizieren. Doch weil die Zeremonie länger als üblich dauert, entscheidet Ihr Euch am besten für eine bequeme Position. Schließlich soll ja die Entspannung und nicht die Verkrampfung im Mittelpunkt stehen. Folgende Stellungen sind wie geschaffen für ein achtsames Liebesspiel:

  • Löffelchenstellung: In dieser Position liegt Ihr beide auf der Seite. Ein Mann liegt hinter der Frau, wie zwei Löffel hintereinander angeordnet. Hier liegt Ihr ganz nah beieinander. Der Penis – ob nun erigiert oder nicht – kann hier besonders leicht in die Vagina eindringen und auf Wunsch auch hier verbleiben.
  • Missionarsstellung: Diese Stellung eignet sich für Slow Sex, weil ein Mann darin für etwas längere Zeit in der Vagina der Frau verbleiben kann. Auch ein langer Augenkontakt ist in dieser Position möglich.
  • Scherenstellung: In dieser Position lässt sich ein weicher Penis besonders leicht vaginal einführen. Mann und Frau finden hier zueinander, indem sie auf der Seite liegen und sich anblicken. Ihre Beine sind dabei wie zwei Scheren ineinander verkeilt.