Sex im Alter – 10 Tipps für eine erfüllte Sexualität jenseits der 60

Zusammenfassung

Du denkst, Menschen über 60 hätten keinen Sex mehr? Da irrst Du Dich. Auch ältere Menschen haben durchaus Spaß am Sex. Warum auch sollten Menschen im fortgeschritteneren Alter plötzlich auf die schönste Sache der Welt verzichten, nur weil sich ihre Haut immer mehr in Falten legt? Manchmal verhindern allerdings zunehmende gesundheitliche Beschwerden ein unbeschwertes Sexualleben. Welche Probleme bei der Sexualität im Alter häufiger auftreten können und wie Du den Sex im Alter dennoch in vollen Zügen genießt, erfährst Du hier.

Wie oft haben Frauen und Männer im Alter noch Sex?

Fakt ist, und darüber sind wir froh, Frauen und Männer jenseits der 60 haben noch Sex. Wie oft – das ist natürlich ganz unterschiedlich. Das hängt vom Beziehungsstatus, der Gesundheit der Partner:innen und der Qualität ihrer Liebesbeziehung ab. Aber das Bedürfnis nach Sex bleibt und wird – wenn möglich – auch umgesetzt. Vielleicht nicht mehr so häufig wie in jungen Jahren, aber dennoch. Erst ab 75 scheint sich die sexuelle Lust aus dem Leben des Menschen zu verabschieden.

Laut einer Studie sind 54 Prozent der 65- bis 80-Jährigen, die in einer Beziehung leben, sexuell aktiv. Ein Drittel der zwischen 60- und 80-Jährigen leben ihre Sexualität sogar einmal pro Woche aus. Deutlich mehr – nämlich 65 Prozent – bekunden ein Interesse an der körperlichen Liebe. Vor allem unter den Befragten zwischen 65 und 70 nimmt noch knapp jede:r Zweite aktiv am Sexleben teil.

Ist Sex im Alter gesund?

Ja, wenn er in Maßen stattfindet. Denn die körperliche Liebe bringt den Stoffwechsel in die Gänge und flutet den Körper mit jeder Menge wohltuender Hormone. Vor allem älteren Frauen genießen durch eine intakte Sexualität gesundheitliche Vorteile. Reifere Männer hingegen sollten ihre Lust etwas zügeln. Denn hat ein Mann einmal oder öfter die Woche Sex, verdoppelt sich sein Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Hier heißt es also: einen Gang herunterschalten! Reduziert ein Mann seine sexuellen Begegnungen auf beispielsweise eine in zwei Wochen, hat dies keine negativen Auswirkungen auf das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Forscher:innen der Michigan State University führen das erhöhte Risiko in ihrer Langzeitstudie darauf zurück, dass sich ältere Männer mehr anstrengen müssen, um zum Orgasmus zu kommen. Das verlangt ihrem Körper einiges ab.   

Welche Probleme beim Sex treten bei älteren Frauen und Männern auf?

Sex im Alter ist schön – so lange die Gesundheit der Partner:innen mitspielt. Doch mit den Jahren kommt es vermehrt zu körperlichen und seelischen Problemen, die sich auch auf die Sexualität auswirken können. Häufige auftretende Ursachen für sexuelle Unlust oder Probleme beim Sex sind:

  • Erektionsstörungen beim Mann (Impotenz durch Rückgang des Testosterons, Gefäßverkalkung, Erkrankungen)
  • Inkontinenz (etwa durch einen zu schwachen Beckenboden)
  • Schmerzen infolge der erhöhten Empfindlichkeit der Vagina
  • Schmerzen beim Sex, z. B. durch Vernarbungen infolge einer OP
  • Ängste (Versagensängste beim Mann wegen bestehender Impotenz, Angst vor Schmerzen beim Sex)
  • Beziehungsprobleme: ungelöste Beziehungskonflikte, mangelhafte Kommunikation
  • Depression (sexuelle Unlust)
  • Hemmungen (infolge altersbedingter Veränderungen des Körpers)
  • Diabetes
  • Gefäßverkalkung
  • Bluthochdruck
  • Gelenkschmerzen
  • Einnahme von bestimmten Medikamenten (z. B. Beta-Blocker)
  • Übergewicht
  • zu hoher Alkoholkonsum

Sex im Alter: Beim Mann wird Impotenz zum Problem

Ab etwa 50 Jahren ist es nicht ungewöhnlich, wenn ein Mann eine Erektionsstörung hat. Heißt: Sein bestes Stück lässt ihn jetzt häufiger mal im Stich. Er leidet an einer erektilen Dysfunktion. Der Penis wird nicht mehr so leicht steif und bleibt auch nicht mehr so lange in Form.

Neben dem sinkenden Testosteronspiegel kann auch eine Gefäßverkalkung oder -schädigung Ursache für die Impotenz sein. Auch kann ein Mann nun aus Sorge vor einem Herzinfarkt nicht mehr so viel Lust auf Sex verspüren. Viele Männer setzen sich wegen ihrer (zeitweiligen) Impotenz einem verstärkten Leistungsdruck aus. Entweder strengen sie sich dann beim Sex umso mehr an oder sie vermeiden ihn schon aus Versagensängsten von vornherein. Auch eine OP an der Prostata oder eine andere Erkrankung wie Diabetes oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung können beim Mann dazu führen, dass der Penis seine frühere Erektionsfähigkeit verliert.

Sex im Alter: Bei Frauen kann es zu Schmerzen oder Angst vor Schmerzen kommen

Bei der Frau kann es sein, dass infolge der Hormonumstellung die Vagina nicht mehr ausreichend feucht wird, auch wenn die Frau genügend erregt ist. Zudem wird die Scheidenschleimhaut im Alter dünner und empfindlicher. Dadurch kann es zu unangenehmen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Kontaktblutungen und häufigen Infektionen kommen. In der Folge kann die sexuelle Lust der Frau deutlich nachlassen. 

Tipps für ein erfülltes Sexualleben im Alter

Flaute im Bett – die muss auch bei älteren Pärchen nicht sein. Es lohnt sich in jedem Fall, etwas gegen die mangelhafte sexuelle Aktivität zu unternehmen. Auch wenn manche ältere Menschen sich mit Nähe und Zärtlichkeit in der Beziehung zufriedengeben. Es ist doch erstrebenswert, dass Frau und Mann auch im Alter ein erfülltes Sexleben haben. 

Tipp 1: Behandlung der Erektionsstörung

Bei einer erektilen Dysfunktion ist es sinnvoll, eine:n Ärzt:in aufzusuchen. Diese:r kann abklären, ob hinter der Erektionsstörung eine Krankheit wie ein Diabetes, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder eine Depression steckt. Möglicherweise müssen betroffene Männer dann ein Medikament einnehmen. Manchmal sind Medikamente aber auch die Ursache für eine Erektionsstörung. In dem Fall ist die Erektionsstörung eine direkte Nebenwirkung des Medikaments oder eine Wechselwirkung, die in Kombination mit einem anderen Mittel hervorgerufen wurde.

Wird keine körperliche Ursache für die mangelhafte Erektion gefunden, kann der:die Ärzt:in dem Mann auch ein Medikament (Phosphodiesterase-5-Hemmer ) verschreiben. Dieses fördert die Erektion des Penis beim Geschlechtsverkehr. Auch eine mechanische Vakuumpumpe kann die Erektionsfähigkeit des Penis verbessern und die Sexualität eines Paares wieder ankurbeln.

Sind hingegen Übergewicht oder ein zu hoher Alkoholkonsum die Ursache für die Impotenz, dann hat der Mann es selbst in der Hand. Hier heißt es: Weniger ist mehr! Weniger Gewicht und Alkohol ist gleichbedeutend mit einem erfüllteren Liebesleben. Mit einem moderaten Ess- und Trinkverhalten lässt sich einer erektilen Dysfunktion gut vorbeugen.

Tipp 2: Miteinander reden

In vielen Fällen ist das Liebesleben nicht erfüllend, weil die Partner:innen nicht über ihre Beschwerden und Ängste sprechen. Vielleicht lässt eine Frau keine Intimität zu, weil sie bei der nächsten sexuellen Begegnung Schmerzen fürchtet. Vielleicht ist sie aber auch unglücklich, weil irgendetwas in der Beziehung nicht (mehr) stimmt. Womöglich schämt sie sich wegen ihres alternden Körpers und hat Angst, dass ihr:e Partner:in sie so nicht mehr sexuell anziehend findet.

Vielleicht möchte aber ein Mann nicht mehr mit seiner:m Partner:in schlafen, weil er Angst hat, dass der Penis beim Geschlechtsverkehr „versagt“. In all diesen Fällen hilft nur eines: miteinander reden! In einem Gespräch lässt sich herausfinden, warum sich ein:e Partner:in aus der Sexualität zurückzieht. Wichtig: Schuldzuweisungen wie „Du findest mich nicht mehr attraktiv!“ sollten in einem solchen Gespräch unbedingt unterlassen werden.  

Es ist immer vorteilhaft, wenn ein Paar offen über Bedürfnisse und sexuellen Wünsche reden kann. Denn wenn die Partner:innen wissen, wie sie voneinander berührt werden möchten, bleibt die sexuelle Aktivität bis ins hohe Alter hinein attraktiv.

Tipp 3: Gleitgel gegen Schmerzen beim Sex

Um den Geschlechtsverkehr für die reife Frau angenehm(er) zu machen, empfiehlt sich der Einsatz von Gleitgel. Es verleiht der Vagina zusätzliche Feuchtigkeit, wodurch beim Sex weniger Reibung entsteht und als angenehmer empfunden werden kann. Alternativ stehen auch östrogenhaltige Cremes, Tabletten oder Zäpfchen zur Verfügung. Eine solche Hormonersatztherapie birgt allerdings ein höheres Risiko für bestimmte Krankheiten wie Brustkrebs und sollte daher gut abgewogen und durch ärztlichen Rat abgeklärt werden.  

Tipp 4: Behandlung von Harninkontinenz

Unwillentlicher Harnabgang beim Sex – das ist unangenehm. Doch oft steckt ein schwacher Beckenboden dahinter, den sowohl Männer als auch Frauen mit gezielten Übungen kräftigen kann. Für Frauen gibt es spezielle Liebeskugeln, die sie vaginal einführt und für eine bestimmte Zeit trägt. Um die Kugeln festzuhalten, muss sich die Beckenbodenmuskulatur anspannen. Regelmäßig durchgeführt, können sich Inkontinenzprobleme so bessern. Die Beschwerden können zusätzlich durch Medikamente und Beckenbodenübungen verbessert werden.

Tipp 5: Das Vorspiel verlängern

Dagegen hat wohl kaum eine Frau (und vielleicht auch viele Männer?) etwas einzuwenden: ein langes Vorspiel! Mehr Küsse, mehr Streicheleinheiten und mehr Massagen kommen beiden Partner:innen zugute. Ein reiferer Mann mit einer Erektionsstörung braucht z.B. etwas länger, um eine Erektion zu bekommen. Der Penis benötigt mehr Stimulation. Ältere Menschen sollten sich also viel Zeit für das Vorspiel nehmen und sich mit vielen Liebkosungen – altgewohnten und neu erprobten – ihre Lust zeigen. 

Tipp 6: Neues probieren

Wer rastet, der rostet! Das gilt auch im Schlafzimmer. Also dürfen auch ältere Pärchen ihr Sexualleben aufmöbeln. Vielleicht hilft der beeinträchtigten Erektion ja ein Schäferstündchen mit einem aufregenden Sextoy oder an einem ungewöhnlichen Ort auf die Sprünge. Auch bislang unerprobte Sexstellungen können dem Intimleben wieder mehr Würze verleihen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Tipp 7: Hemmungen überwinden

„Ältere Menschen haben keinen Sex“, „Ich bin zu hässlich, um begehrt zu werden“ – derlei Gedanken wirken sich negativ auf das Sexleben reiferer Menschen aus. Daher sollten sie sich freimachen von solchen, leider immer noch verbreiteten, gesellschaftlichen Tabus. Wegen ein paar Falten mehr oder einem etwas größeren Bäuchlein muss doch niemand seine sexuelle Lust aufgeben. Findet sich ein Mensch äußerlich nicht mehr attraktiv, sollte er:sie sich bewusst machen, dass alle Menschen altern und sich verändern. Es gilt, diese körperlichen Veränderungen anzunehmen und dem:der Partner:in häufiger das Gefühl zu vermitteln, dass man ihn:sie trotz der Alterserscheinungen noch sehr begehrenswert findet. Eine offene Aussprache hilft hier bestimmt weiter und räumt mit so manchem Missverständnis auf.

Tipp 8: Kein Leistungsdruck im Bett

Hat der Mann mit einer Erektionsstörung zu kämpfen, bringt es nichts, wenn er sich damit unter Druck setzt. Denn Druck ist ein echter Lust- und Erregungskiller! Wenn es mal nicht rundläuft, gilt es, entspannt zu bleiben. Dann wird dieses Mal eben nur gekuschelt. Wichtig ist, dass der Mann sich beim nächsten Mal nicht damit stresst und versucht, entspannt an die Sache heranzugehen.

Tipp 9: Gelenkschonende Stellungen wählen

Bei älteren Menschen können die Gelenke schon mal Probleme machen. Daher ist es ratsam, Stellungen auszuwählen, die gelenkschonend sind. Dazu gehören in jedem Fall die Missionarsstellung, die Reiterposition sowie die Löffelchenstellung. Aber auch folgende Stellung ist für Mann und Frau sehr vorteilhaft, wenn die Gelenke schmerzen: Die Partner liegen sich gegenüber und sehen sich an. Der Mann stellt ein Bein auf. Nun legt die Frau das obenliegende Bein über seines. Auch altersgerecht: Der Mann sitzt auf einem Stuhl. Seine Liebste nimmt auf seinem Schoß Platz. Beide halten sich während der Vereinigung eng umschlungen. Intimer geht es nicht!  

Tipp 10: Paartherapie kann Sexualität beflügeln

Gibt es Spannungen und ungelöste Konflikte in der Beziehung, kann eine Paartherapie sinnvoll sein. In einer gemeinsamen Therapie können seelische Konflikte aufgespürt und aufgelöst werden. So gewinnt die Partnerschaft an Qualität und auch das Liebesleben kann wieder in Fahrt kommen.