Cybersex: Die Suche nach sexueller Erfüllung im digitalen Raum

Zusammenfassung

Hast Du schon mal beim Ansehen eines Internetpornos masturbiert? Dann hattest auch Du schon mal Cybersex. Denn Cybersex ist nicht nur, wenn der:die Freund:in dem:r Freund:in erotische Filmchen schickt, sondern weit mehr als das. Wir verraten Dir, warum viele Menschen ihre sexuellen Fantasien online ausleben, welche Gefahren dieser Trend birgt und was Du dabei unbedingt beachten solltest.

Was ist Cybersex?

Cybersex ist ein Kind der Computer-Kultur, die in den 1990er Jahren Einzug in unser modernes Leben gehalten hat. Unter diese Bezeichnung fallen diverse erotische Handlungen, die mithilfe des Internets praktiziert werden. Dabei kann es sich um folgende Aktionen handeln:

  • das Anschauen pornografischer Filme via Internet (mit gleichzeitiger Masturbation)
  • der Austausch erotischer Gedanken und Gefühle („Texting“), z. B. per Chat, Videoanruf (Skype), WhatsApp, E-Mail oder Dating-Plattformen
  • das Versenden von erotischen Fotos oder Videoaufnahmen an bekannte oder unbekannte Sexualpartner:innen

Was motiviert Menschen zum Cybersex? – Die Vorteile auf einem Blick

Warum man die privateste Angelegenheit der Welt in den virtuellen Raum verlagert? Wo doch all unsere Aktivitäten im Internet gespeichert werden können? Das müsste eigentlich eine abschreckende Wirkung haben. Und dennoch: Millionen Deutsche praktizieren Cybersex. Natürlich birgt die Verbreitung erotischer Inhalte im Internet Gefahren. Doch wenn Du einige Dinge beachtest, kannst Du diesem Trend unbesorgt folgen – natürlich nur, wenn Du magst. Denn Cybersex hat durchaus auch seinen Reiz. Sexuelle Aktivitäten via Skype, WhatsApp & Co. werden besonders häufig in Anspruch genommen von:

  • Singles (da sie keine Beziehung im realen Leben haben)
  • Paaren, die eine Fernbeziehung führen
  • Personen, die sich getrennt haben und sich langsam wieder nach Nähe sehnen, diese aber in der realen Welt noch nicht zulassen können
  • Personen mit Beziehungsangst
  • jungen Erwachsenen, die vor dem realen Sex zunächst etwas sexuelle Erfahrungen sammeln möchten
  • Menschen in offenen Beziehungen
  • Personen, die nicht an Verhütung denken wollen
  • Menschen, die anonym ihre sexuellen Fantasien ausleben wollen, die sie beim Sex im realen Leben nicht umsetzen würden
  • Personen, die gern einmal in eine andere Rolle schlüpfen wollen, um die eigene Rolle im realen Leben mal zu verlassen
  • Personen, die den schnellen und bequemen Zugang zur sexuellen Stimulation schätzen

Cybersex: Eine Anleitung für Neulinge der Internet-Erotik

Du würdest Cybersex gern mal ausprobieren, hast aber keinen Plan, wie das geht? Klar, einen Porno im Internet starten und sich der eigenen Lust hingeben – das kann jede:r. Aber wie geht Online-Sex mit einem:r Fremden oder eben auch mit Deinem:r Freund:in, etwa via WhatsApp-Nachricht, Chat oder Skype? Tipp: Lass Dich hier in keinem Fall davon unter Druck setzen, dass Cybersex ein Trend ist. Was der eine Mensch mag, muss für den anderen noch lange nicht gelten. Vertraue hier auf Dein Gefühl und lasse Dich nicht von anderen beeinflussen!

Tipp 1: Beschreibe das Setting und Deine Aufmachung: Fantasie ist gefragt

Um Dich und Deine:n Partner:in beim Texting in erotische Stimmung zu versetzen, könntest Du ihm:r ein sinnliches Ambiente Deiner Umgebung beschreiben. Du kannst hier Deiner Fantasie auch freien Lauf lassen. Stell Dir etwa vor, Du bist an einem ruhigen See, die frische Luft umspielt Eure Haut und es duftet wunderbar nach feuchter Erde. Ihr habt einen Baum entdeckt, der für ein sexuelles Abenteuer wie gemacht zu sein scheint. Die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Alle Hormone stehen plötzlich auf Sex.

Beschreibe nun, wie Du aussiehst und was Du trägst. Natürlich hast Du in Deiner Fantasie sexy-Klamotten an. Schließlich geht es beim Sex-Talk darum, über gedankliche Bilder die sexuelle Lust zu wecken. Du trägst etwa eine zerissene Jeans oder knallrote High-Heels und einen roten Mini-Rock – ohne etwas darunter. Oben bist Du nackt oder nur mit einem roten BH bekleidet. Dann fragst Du, was er:sie trägt und wie er:sie aussieht. Im Idealfall beschreibt Ihr gegenseitig ein möglichst attraktives Aussehen, damit das Bild im Kopf die sexuelle Erregung fördert.

Tipp 2: Beschreibt Eure sexuellen Handlungen

Nach der Beschreibung von Setting und Aussehen könnt Ihr im Sex-Chat zur nächsten Stufe übergehen. Schreibe Deinem:r virtuellen Partner:in, was Du nun gern mit ihm:r machen würdest, wenn er:sie bei Dir wäre. Beschreibe, wie Du die heißen Stellen berührst und erzähle davon, welche erotischen Handlungen Du selbst gerade an Deinem Körper durchführst. Teile mit sinnlichen Worten mit, wie Du Deinen eigenen Körper Schritt für Schritt mit den Händen erkundest und alle lustvollen Zonen wie Brüste, Hoden, Penis oder Klitoris sexuell stimulierst. Das wird das Kopfkino ankurbeln und die Lust entfachen.

Du darfst Dir jetzt auch Dinge zutrauen, die Dir bei einer Begegnung im realen Leben vielleicht unangenehm wären. Taste Dich bei spezielleren Neigungen aber empathisch voran und klopfe vorsichtig ab, ob Dein:e Partner:in diese teilt. Falle nicht mit der Tür ins Haus.

Cybersex lebt vom gegenseitigen Austausch. Also ist auch Dein:e Online-Partner:in gefragt, sich erotische Bilder einfallen zu lassen, um die Stimmung zwischen Euch aufzuheizen.

Tipp 3: Schicke heißes Bildmaterial von Dir

Wenn Du das möchtest und Deinem Gegenüber vertraust, kannst Du Deinem:r virtuellen Sexpartner:in noch ein heißes Foto oder Video von Dir schicken. So lässt sich an etwas Konkretem festhalten und das erotische Feuer zwischen Euch weiter anheizen. Bringt Ihr Euch via Skype auf Hochtouren, brauchst Du echte aufreizende Kleidung oder Accessoires. Führe sie Deinem:r Partner:in durch die Webcam vor. Überrasche zum Beispiel mit einem heißen Striptease, den Du via Live-Cam oder per Video schenkst. Auch kann auf einem Video oder im Live-Bild via Skype zu sehen sein, wie Du Deinen Körper lustvoll berührst. Zeige Deinem:r Online-Sexpartner:in, dass Du mit Deinen Reizen spielen kannst.

Agierst Du in einem privaten Videochat mit Deinem:r Freund:in brauchst Du Dir nicht so viele Sorgen darüber zu machen, dass er:sie potenzielles Bildmaterial von Dir zweckentfremdet. Mehr Vorsicht ist da schon gegenüber einem:r Fremden angebracht. Wenn Du vor dem Austausch erotischer Bilder oder Videos zurückschreckst, dann lasse es lieber. In diesem Fall kannst Du ja noch auf den guten, alten Telefonsex zurückgreifen und schauen, ob diese diskretere Methode etwas für Dich ist. Auch dabei sind mit einiger Inspiration große erotische Gefühlsregungen auf beiden Seiten der Telefonleitung möglich.

Tipp 4: Erzählt Euch von Euren sexuellen Vorlieben

Der Cybersex wird heißer, wenn Du weißt, was Dein sexueller Kontakt mag. In einer Beziehung kennen die Partner:innen oft die Vorlieben des:r anderen. Hast Du hingegen Online-Sex mit einem:r Unbekannten, kannst Du die sexuellen Präferenzen vorab erfragen. Natürlich darfst Du Dein virtuelles Gegenüber ebenfalls darüber informieren, welche Praktiken Dich sexuell besonders ansprechen. Wenn Ihr Eure Wünsche offen kommuniziert, kommt Ihr beide auf Eure Kosten. So bleiben Euch Enttäuschungen erspart. Also habt Mut zur Offenheit!

Wenn Dir oder dem:r Online-Sex-Partner:in eine Praktik nicht zusagt, solltet Ihr das dem:r anderen natürlich mitteilen. Denn auch beim Sex in der virtuellen Welt gilt: Alles kann, nichts muss. Du darfst also ruhigen Gewissens „nein“ sagen, wenn Du mit einer sexuellen Praktik nicht einverstanden bist. Die Nutzer der Online-Angebote für Cybersex benutzen oft spezielle Codes, mit denen sich die Partner:innen ihre Wünsche mitteilen können. Wenn Du diese Plattformen nutzen willst, informiere Dich zunächst, wofür welche Abkürzung steht. So bist Du im Bilde, wenn Dein:e Online-Partner:in in Eurer Kommunikation einen solchen Code nutzt.

Sicher surfen auf der Welle der Lust: Das solltest Du zum Thema safer Cybersex wissen

Die moderne Technik ermöglicht uns den Zugang zu Cybersex. Das ist gut, denn für viele Menschen stellt diese Form des sexuellen Austauschs inzwischen eine echte Bereicherung des Sexuallebens dar. Gerade Menschen ohne eine feste Partnerschaft, die nicht so häufig mit anderen Menschen in Kontakt treten, können vom Sex im Internet profitieren.

Egal ob Du als Frau oder Mann Skype-Sex mit Deinem:r verreisten Ehepartner:in hast oder ein Online-Techtelmechtel mit einem:r mysteriösen Unbekannten: Die Sicherheit ist beim Cybersex besonders wichtig, denn Du begibst Dich in die unüberschaubaren Weiten des Internets. Als cleverer Internet-Nutzer beachtest Du die folgenden Basics für sicheren Cybersex:

  1. Teile beim erotischen Austausch mit einem:r anonymen Partner:in im Internet niemals Deinen Namen, Deine Adresse, Telefonnummer oder Deinen Beruf mit.
  2. Zeige in einem Foto bzw. Video keine Alleinstellungsmerkmale (z. B. Tattoos, Piercings etc.), die zu Deiner Identifikation beitragen könnten.
  3. Achte bei Videos für anonyme Abnehmer:innen darauf, dass Dein Gesicht nicht zu sehen ist.
  4. Lege Dir auf einem anonymen Cybersex-Portal in jedem Fall einen fiktiven Namen zu, der nicht auf Dich zurückzuführen ist.
  5. Wähle für eine Cyber-Webseite eine E-Mailadresse aus, die Du nur zu diesem Zweck benutzt.
  6. Wichtig beim Cybersex: Nutze ein Antivirenprogramm und ein aktuelles Betriebssystem.
  7. Nutze nur Chats mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
  8. Vermeide es, beim Sex via Cam private Details Deiner Einrichtung im Hintergrund zu zeigen.
  9. Vertraue Unbekannten nicht blind (Lasse Dich nicht ausspionieren, denn Du kennst die Absichten dieser Personen nicht).
  10. Wenn Du Dich mit Deinem:r Cybersex-Partner:in im realen Leben treffen möchtest, tue dies an einem öffentlichen Platz.
  11. Du darfst jederzeit „nein“ sagen, wenn Dir beim Cybersex etwas zu viel ist. Das kannst Du ganz spielerisch und mit Humor vermitteln, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen. Natürlich darf auch Dein Gegenüber Dir jederzeit einen Wunsch abschlagen.
  12. Nutze statt WhatsApp zum Beispiel Telegramm, Threema oder Signal: Diese Dienste schützen die Privatsphäre besser. Du brauchst hier keine Telefonnummer anzugeben, sondern legst Dir lediglich einen Code oder ein Pseudonym zu.
  13. Mögliche Cybersex-Fallen: Wenn Dein Cyber-Kontakt Deine Daten speichert, um Dich etwa mit der Weitergabe von pikantem Bildmaterial zu erpressen. Melde diese Erpressung sofort der Polizei.
  14. Überlege Dir vor dem Cybersex mit einer anonymen Person, welche Einzelheiten Du von Dir erzählen möchtest.   

Warum der sensible Umgang mit erotischen Inhalten so wichtig ist

Jeder Text, jedes Video oder Foto im Internet kann an jemanden geraten, der Deine Daten missbraucht. So nimmt vor allem „Sextortion“ zu. Diese englische Wortkreation setzt sich aus „Sex“ und „Extortion“ („Erpressung“) zusammen. Sextortion ist beispielsweise, wenn Dich jemand damit erpresst, Nacktfotos oder ein erotisches Video von Dir in sozialen Netzwerken zu teilen, sofern Du dessen Wunsch nicht nachkommst.

Leider gibt es keinen 100%igen Schutz, wenn es um das Thema sexuelle Beziehungen in der Online-Welt geht. Es ist ausgesprochen wichtig, dass auch Du verantwortungsbewusst mit den Daten Deines:r virtuellen Sexualpartner:in umgehst. Sei Dir bewusst, dass eine unbedachte Weitergabe von erotischen Inhalten böse Folgen für die andere Person haben kann.

Die Nachteile von Cybersex

Bei all den vielen Vorteilen von Cybersex gibt es auch Dinge, die gegen das virtuelle Vergnügen sprechen. Zu den Nachteilen gehören:

  • Die bereits erwähnte mangelhafte Sicherheit der Inhalte und sich daraus ergebende negative Folgen für Anwender:innen.
  • Die Teilnahme an Cybersex-Foren ist oft mit Kosten verbunden.
  • Es besteht die Gefahr, dass Du beim Online-Sex Dinge tust, die Du gar nicht möchtest.
  • Bist Du unter 16 Jahren gilt die Weitergabe von erotischen Inhalten als Kinderpornografie und ist somit strafbar.
  • Bei einer (reinen) sexuellen Online-Beziehung fehlen Körperlichkeit, Wärme, Nähe und Vertrautheit.
  • Es ist unangenehm und ebenfalls strafbar, erotische Bilder, Texte oder Videos zugeschickt zu bekommen, wenn man dies nicht explizit erlaubt hat.  
  • Cybersex birgt ein enormes Suchtpotenzial.

Achtung: Cybersex kann süchtig machen

Bei allen Vorteilen, die die Online-Erotik verspricht, darf man nicht vergessen, dass sie sehr schnell abhängig macht. Ähnlich wie bei der Internet- oder Spielsucht laufen Menschen Gefahr, sich in Cybersex-Foren und Videochats zu verlieren und echte zwischenmenschliche Kontakte aus dem Blick zu verlieren. Dies ist für die betreffende Person mit Risiken verbunden. Schließlich droht ihr der Verlust der Erfahrung von realer menschlicher Wärme und Nähe. Außerdem kann Cybersex zum sozialen Rückzug, zur Isolation und letztlich zu einer Depression führen.